URSEL KESSLER
 
 
 
 
 
Kunstpreis 2007 Karlsruhe

Von Klaus Schrenk, Rede anlässlich der Preisverleihung, Karlsruhe, 28. 2. 07

Mit dem Kunstpreis 2007 der Sparkasse Karlsruhe zeichnet die Jury (Prof. Dr. Götz Adriani, Vorstand der Kunsthalle Tübingen; Prof. Dr. Erika Rödiger-Diruf, Direktorin der Städtischen Galerie Karlsruhe; Prof. Dr. Klaus Schrenk, Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe; Prof. Günther Wirth, Kunstkritiker Stuttgart) Frau  Ursel Kessler für das Gemälde „Fassade“ aus. In der eigenständig wirkenden Malerei gelingt es der Künstlerin mit der Partie einer grauen Hausfassade sofort bei dem Betrachter das Bild einer Großbebauung freizusetzen, wie wir sie in allen Städten vorfinden. Die horizontale Anordnung der Komposition steht für die Ansammlung eines aneinander gereihten Haustyps, der möglicherweise sogar eine gewisse Variation aufweist, doch als Ganzes die Monotonie des architektonischen Zweckbaus betont. Die Künstlerin durchbricht die einheitliche Fassade des leicht heruntergekommenen Gebäudes, indem sie die unterschiedliche Gestaltung der Fensterflächen zur Rhythmisierung der Gesamtfläche einsetzt. Mal erleben wir eine Andeutung von Gardinen, mal werden die Fenster durch breite Pinselführung mit Schwarz gleichsam abgedunkelt, ein anderes Mal treten die Rahmen der Fenster in den Vordergrund. Die flächendeckend an der Fassade sichtbaren Geräte für Air Condition zeugen darüber hinaus für den in die Jahre gekommenen Bau.
Der Künstlerin gelingt mit vielschichtigen Abstufungen von Grau, Schwarz und Weiß eine eindrucksvolle Spannung der Bildoberfläche, die den konzeptuellen Ansatz der Arbeit verstärkt. In diesem Bild sind die Menschen, die in den Gebäuden leben, abwesend. Der sichtbare Nuancenreichtum der Grauwerte deutet im übertragenen Sinne auf die Vielfalt der Persönlichkeiten hin, die hinter der Fassade die unterschiedlichen Wohnungen mit Leben erfüllen. In der faktischen Darstellung eines architektonischen Gebildes scheint eine gesellschaftliche Struktur auf, die als Wirklichkeit auch den Betrachter berührt. In diesem Zusammenhang hat die Jury auch überzeugt, dass die Künstlerin auf einen glatten, malerischen Duktus verzichtet, und in der Gebrochenheit ihrer Farbpalette und der bewussten Sprödigkeit der Fassadengestaltung die Komposition ausschnitthaft zu einem Gleichnis unserer Wirklichkeit gestaltet.
   
   
 
 

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